Mittwoch, Mai 03, 2006

Der lange Weg ins Internet



Seit einem Monat treibe ich mich nun fast täglich in Internetcafés herum oder Cafés mit einem kabellosen Internetzugang - zu Neudeutsch: Hotspot. Ich warte und warte auf den offensichtlich unentbehrlich gewordenen Internetanschluss. Erst musste ich mich durch das Meer von Internet-Sonderangeboten kämpfen. Die meisten empfahlen mir Alice als DSL-Provider (ADSL scheint ja eine Schweizer Spezialität zu sein), die ich erst gar nicht in Betracht gezogen hatte, weil deren Werbung omnipräsent und zudem hochgradig sexistisch ist. Dennoch scheint das Angebot unschlagbar zu sein, was Service und Preis betrifft.



T-Com, liberalisierter Abkömmling der staatlichen Deutschen Telekom, hat ebenfalls DSL-Angebote, von welchen mir aber allerseits wärmstens abgeraten wurde: horrend teuer und schlechte Leistung. Da aber die T-Com nach wie vor das Monopol auf Telefonanschlüsse hat, begab ich mich dafür in einen T-Com-Shop. Dort hetzten sie mir statt einem Kundenberater einen regelrechten Händler auf den Hals. Dieser versuchte mir über eine halbe Stunde lang alles mögliche aus der gesamten Sonderangebotspalette anzudrehen - schlimmer als auf einem Markt in Tunesien.

Ich beharrte darauf, dass ich einen simplen Telefonanschluss anmelden möchte - ohne DSL-Internetzugang. Der T-Com-Händler liess durchblicken, dass er mich für stur und blöd hielt, dass ich sein Komplett-Super-Kombi-Angebot inklusive DSL und "Billig"-Tarif in die Schweiz auch dann nicht annahm, als er mir erst versprach, einen, dann zwei und schliesslich sogar drei Monate DSL-Gebühren zu schenken. Ich bemerkte nebenbei, dass ich mir manchmal eine zentralstaatlich organisierte Telefongesellschaft zurückwünsche, bei der ich einfach einen Telefonanschluss bestellen kann - ohne von unzähligen konkurrierenden Firmen mit Werbung und Sonderangeboten überflutet zu werden. - Ja, wollen Sie denn weiterhin solche Wucherpreise bezahlen?
Ich wiederholte, dass ich nun definitiv einfach den Anschluss von T-Com anmelden möchte. Aber auch da gab es noch etwas zu handeln. Wenn ich zwei Prepaid-SIM-Karten fürs Handy im Wert von je 10 € kaufen würde, zum Preis von je 20 €, dann würde er mir die 60 € Anschlussgebühr erlassen. Ich stöhnte und sagte genervt, dass ich abermals kein Sonderangebot wünschte, sondern bloss diesen Telefonanschluss. Und SIM-Karten seien ja in der Regel für Mobiltelefone, ich wolle aber einen Festnetzanschluss. Aber Sie wollen doch nicht 60 € bezahlen, wenn Sie es auch für 40 € bekommen können? - Ja, aber ich habe ja bereits eine SIM-Card, was soll ich denn mit zwei weiteren? Er liess nicht locker und schlussendlich unterschrieb ich haareraufend zwei SIM-Karten-Verträge fürs Handy, ohne diese zu benötigen, bloss um endlich diesen Festnetztelefonvertrag zu bekommen.

Das Internet aber läuft noch immer nicht. Alice und T-Com sind noch im Papierkrieg, und es dauert wohl noch einmal mindestens eine Woche, bis ich dann zu Hause online bin. Bis dahin tummle ich mich mit meinem Laptop in Cafés mit heissen Flecken oder beobachte in meist türkisch geführten Internetcafés die Onlinepartnersuche meiner Computernachbarn oder das kichernde Chatten im speziell abgetrennten Frauenabteil.

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