Montag, Juli 24, 2006

Gelassen verpassen

Im CityNightLine von Zürich nach Berlin notierte ich mir im April neben anderen Gedanken zum bevorstehenden Berlin-Aufenthalt als Ziel:

Gelassen bleiben bezüglich des ausladenden Kulturprogramms: weniger ist mehr.

Ich wusste noch von meinem 10-tägigen Aufenthalt letzten Sommer, dass es in Berlin schlicht unmöglich ist, alle interessant klingenden Kulturveranstaltungen nur schon im Auge zu behalten, geschweige denn zu besuchen. Wer in Zürich den "züritipp" durchblättert, schafft es noch einigermassen, sich zumindest einen Überblick über das Angebot zu verschaffen. Das kann man hier glatt vergessen. Die eingehende Lektüre der unzähligen Veranstaltungsmagazine wie "zitty", "Tip" oder "Siegessäule" würden Stunden dauern. Gelingt es überhaupt mal, einen spannenden Anlass, ein Theater, eine Party, einen nur selten gezeigten Kinofilm aus dem Überangebot auszuwählen, dann ist das gleichzeitig eine Entscheidung gegen drei, vier andere vielleicht ebenso interessante Anlässe, die man dann unweigerlich verpasst. Wenn dann der Anlass doch nicht so toll ist, wie man erwartet hat, dann schleicht sich rasch das Gefühl ein, falsch gewählt zu haben: im falschen Film zu sitzen oder auf der falschen Party zu tanzen.

Da es meist ewig dauert, um in einen anderen Stadtteil zu reisen, hilft dies immerhin mit der Zeit, schon eine ganze Anzahl Veranstaltungen auszublenden, da diese einfach zu weit weg oder verkehrsungünstig gelegen sind. Ausserdem kann man in Berlin - fast eher als in Zürich - auch mal einen Abend getrost zu Hause bleiben, da man sowieso so viel verpasst. Aber ein wenig gewurmt hat es mich zugegebnermasse neulich dennoch, als ich erfahren habe, dass "The Who" 500 Meter von mir in der Arena gespielt haben und ich nichts davon gewusst hatte...

1 Comments:

Anonymous Anonym said...

"Die eingehende Lektüre der (...) "zitty" (...) Stunden dauern. (...) Ausserdem kann man (...) mal einen Abend getrost zu Hause bleiben da man sowieso so viel verpasst (...)"

Interessanter Gedanke. Genau an dem Beispiel "zitty" wurde mir persönlich einmal der ganze Informationsoverkill bewusst.

Im Laufe der Jahre wuchs das Teil auf Telefonbuchstärke. Allein das bloße Durchblättern hat mich schließlich schon überfordert, gelesen habe ich das Heft dann schon gar nicht mehr (außer, zum Lachen, die BeVau-Seite).

Was für solche Hefte gilt, übertrage ich seit langem auch auf den Besuch von Veranstaltungen: (viel) weniger ist mehr. Im Kern versäumt man sowieso nix. Mit dem Besuch von Events läuft man im Wesentlichen meist ohnehin nur vor sich selbst weg.

In dem Sinne denke ich, dass man eben nicht "viel verpasst", wenn man zu Hause bleibt (und sich mit sich selbst oder der Familie o.ä. beschäftigt). Sondern dass man unheimlich an Lebensqualität gewinnt. Nicht immer, ok - aber fast immer.

Wenn ich mal in jenem Restaurant bin, in dem ich gelegentlich speise und wo die "zitty" meist ausliegt, werfe ich einen Blick auf die "BeVau"-Seite. Sonst fehlt mir weder dieses Magazin mit seiner unüberschaubaren Fülle an Events- und Ablenkungsinfos noch fehlen mir die beworbenen Veranstaltungen.

Das musste ich aber erst damals an diesem einen Magazin "begreifen", habe es aber inzwischen auf viele andere Bereiche übertragen: Let's simplify - for the sake of quality.

7/26/2006 01:44:00 nachm.  

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