Montag, Juli 03, 2006

Literaturpreis im eigenen Haus

Vor ein paar Tagen stand auf der Frontseite der NZZ Online, die ich fast täglich anklicke: „Ingeborg-Bachmann-Preis an Berlinerin Kathrin Passig“.


Die Vergabe des prestigeträchtigen Literaturpreises an eine Wahlberlinerin bestätigte meine These, dass in dieser Stadt, und gerade in Kreuzberg, überdurchschnittlich viel Geist und Kreativität vorhanden ist.

Kurz darauf las ich in einem der bekanntesten deutschsprachigen Blogs überhaupt namens Spreeblick – selbstverständlich auch ein Berliner Produkt – von Glückwünschen an Kathrin Passig. Da stand auch, dass Frau Passig eine Mitgründerin der „Zentrale Intelligenz Agentur“ ist. Das war mir plötzlich sehr vertraut.


Schliesslich hatte ich noch in den ersten Wochen im Ausland, die Klingelschilder neben meiner Haustür fotografiert, da mir „Haus der frohen Zukunft – Zentrale Intelligenz Agentur“ ein typisches Beispiel schien für die brotlose Kreativität in der deutschen Hauptstadt.


Am nächsten Abend las ich den Namen Kathrin Passig neben meinem Briefkasten. Und noch einen Tag später fand in meinem Hinterhof ein kleines Fest zu Ehren der Preisträgerin statt. Ich rief einen kurzen Glückwunsch über den Hof, während ich mein Velo parkierte (bzw. Fahrrad parkte). Erst vorgestern habe ich schliesslich den preisgekrönten Text minutenlang über meine lahme Internetleitung heruntergeladen: Er beschreibt den inneren Dialog einer ziemlich besserwisserischen Person, die sich in einem Schneesturm verirrt und sich schrittweise der Erfrierung nähert. Trotz der an sich dramatischen Situation versprüht der Text grossen Witz. „Todlustig“ und „makellos“ hiess es aus der Jury bei der Preisverleihung. Wer mit Literatur nicht viel am Hut hat, kann sich das Vorstellungsvideo der Autorin anschauen. Da wird der im Text lesbare Humor auch sichtbar. Es wird auf das Medienereignis "Rütlischule" in Berlin angespielt (vielleicht auch auf die Berliner literarische Gruppe Rütli aus vergangenen Zeiten und wohl kaum auf das Schweizer Rütli und den dazugehörigen Schwur). Auch die umstrittene Bücherskulptur, die aktuell vor der Humboldt-Universität steht, wird gezeigt.

Seither klicke ich mich mich ab und zu durch die im Internet reichlich vorhandenen Texte von Kathrin Passig unter Zentrale Intelligenz Agentur und Riesenmaschine und andere. Beide Webseiten sind eine Entdeckung. An der Riesenmaschine finde ich neben den witzigen Texten besonders sympathisch, dass sie auf mein an dieser Stelle auch schon geäussertes Anliegen im Fall „ß“ eine radikale Antwort haben:



Manchmal braucht es offenbar den Hinweis der NZZ in Zürich, um zu bemerken, dass im eigenen Haus in Berlin eine Literaturpreisträgerin und deren geistreiche Mitagenten der "Zentrale Intelligenz Agentur" aktiv sind.

1 Comments:

Anonymous Anonym said...

Ich hoffe, du bist dann beim nächsten Grillfest dabei! Eingeladen bist du hiermit.

-- Jan (siehe Briefkasten)

7/06/2006 03:02:00 nachm.  

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