Altar neuzeitlicher Alltagssorgen

Persönlich bin ich sehr erleichtert, dass es jetzt nicht mehr bloss weltliche ZIA-Gottheiten der satirisch-tiefgründigen Textproduktion, absurder kultureller Unterhaltungsformate und Neuer Medien-Kunst anzuhimmeln gibt, sondern zusätzlich auch ein Altar für scheinbar banale Probleme wie z.B. die menschliche Kopfbedeckung bereitgestellt wurde.

Der Riesenmaschine-Altar beherbergt auch den „Gott der vergessenen Passwörter und der gnädigen Amnesie“. Wer zu diesem zwiespältigen Gott des Vergessens und des Ent-Lernens betet, kann darauf hoffen, dass endlich bloss die unwichtigen Informationen dem Verdrängungsmechanismus zum Opfer fallen. Der „Gott der unterhaltsamen Ereignislosigkeit“ ist Schutzpatron aller Blogger, die eigentlich nichts zu sagen haben, aber immerhin das Nichts sprachlich schön verpacken. Vielleicht erbarmt sich ja irgendwann eine Göttin der Bloggerinnen und der notorisch-nervig auf einer möglichst geschlechtergerechten Sprache Beharrenden.
Der „Gott der zu spät gehabten Idee“ ist zuständig für schlagfertige Antworten, die einem erst Stunden später einfallen. Leider wurde dieser Gott aber auf Grund eines zu späten Einfalls erst nachträglich hinzugefügt, und deshalb wird bei vollbrachtem Gebet zu dieser Gottheit auch keine Lampe aufleuchten. Alle anderen Götter mögen den Anbetenden nicht unbedingt zur Erleuchtung verhelfen, werden aber – dem Pantheon der Technikgötter sei Dank! - tatsächlich bei Erhalt des Gebets am Originalaltar selbst erleuchtet.
Amen!
1 Comments:
Hallo Sarah, ich habe mich gut und sehr amüsiert beim Lesen, daher glatt mal eine Antwort meinerseits:
Dass der Pantheon der Alltagsgötter bzw. deine Aufzählung von Gottheiten nicht vollständig ist, macht diesen Pantheon natürlich keineswegs banal oder unnütz, schließlich kann er ja von deinen LeserInnen (...) vervollständigt werden, hier einige Vorschläge von mir:
Den "Gott der knapp verpassten U-, S- oder Straßenbahnen" dürfte wohl jede/-r kennen, der/die (damit habe ich meinen guten Willen doch bewiesen bzw. der von dir vorgeschlagenen Göttin geopfert, oder?) in Berlin regelmäßig den so genannten öffentlichen Personen-Nahverkehr nutzt. Dass dahinter ein praktisch immer übel gelaunter Gott steckt (der die FahrerInnen manchmal noch dazu verleitet, den Stehengelassenen hämisch zuzugrinsen), ist wohl nicht einmal von hartnäckigen Aufklärern oder Monotheisten zu bestreiten.
Mit den Streichen des "Gottes der Tippfehler" habe ich mich inzwischen abgefunden, ich wäre nur froh, falls ich eines Tages lernen sollte, trotz dieses schelmischen Gottes meinen Namen auf den ersten Versuch richtig zu tippen; "Klasu" und "Kalus" sind derzeit beliebte Versionen meines Namens, wobei diesem Gott in meinem Fall freilich nichts über den alten Klassiker "Kalus" geht.
Naja, den "Gott der Schreibblockaden" kennt wohl jeder, ihm gegenüber wäre ich sofort zu jeglichem Opfer bereit, vor allem, wenn er auch noch für die "Ablenkung von dringenden Angelegenheiten durch weniger dringende" zuständig sein sollte (z.B. vom Schreiben von Hausarbeiten durch, mit Verlaub, Kommentare zu Blogeinträgen...).
In diesem Sinne hoffe ich, den Alltag um weitere spirituelle Dimensionen bereichert zu haben und vor allem, dass die Götter dir heute gnädig gestimmt sein mögen...
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