Dienstag, August 15, 2006

Berlins raue Seite

Was einen Teil der Romantik dieser Stadt ausmacht, hat auch seine Nachteile: Berlins Rauheit.

Die beiden Velos (=Fahrräder) waren schon mehrfach in der Reparatur, das eine hatte schon zweimal einen platten Reifen wegen Scherben und Nägeln. Und im Grunde ist es erstaunlich, dass es nicht noch öfter geschehen ist, über so viele Scherben wie ich unvermeidlicherweise regelmässig fahre. Mein leicht blaues Knie und meine Schulter spüren noch schwach den kürzlichen Sturz praktisch vor meiner Haustür. Da bin ich neulich – auch mit Velo – umgefallen wegen Unebenheiten auf dem Trottoir (=Gehweg). Fehlende Pflastersteine, Schlaglöcher und Strassenbeläge, bei deren Anblick sich Wasserwaagen die Haare raufen würden (wenn sie denn welche hätten) sind in Berlin vielerorts eher die Regel als die Ausnahme. Wenn es regnet, verwandeln sich Berlins Strassen plötzlich zu einer Wasserlachenlandschaft und die Autos bespritzen Passantinnen und Passanten wie spielende Gören und Rotzbuben mit dem Gartenschlauch.

An manchen Tagen liebe ich den raueren Wind der Stadt, den direkteren Umgangston, liebe den Charme des Unsanierten und die kreative Energie des Umbruchs.

Aber manchmal holt mich die harsch formulierte Bemerkung einer Berliner Schnauze, die Verrückte in der U-Bahn oder die Alkis vor dem Supermarkt, vor allem aber das Stolpern auf der Strasse von der Wolke 7 wieder buchstäblich zurück auf den Boden der Berliner Realität. Das hinterlässt unter Umständen sogar blaue Flecken.
Bei Regen weiss ich nun auch das Zürcher Abwassersystem um einiges mehr zu schätzen, dessen Ausgeklügeltheit mir bisher entgangen war.

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