Dienstag, September 12, 2006

Deutsche Namensgebung

In Zürich kenne ich kaum Cafés, Beizen (=Kneipen), Läden, Coiffeure (=Frisöre), Schuhmacher oder Geschäfte mit deutschen, geschweige denn originellen deutschen Namen. Wer in der Deutschschweiz ein Lokal eröffnet, benennt es in der Regel mit einem Eigennamen, einem fremdsprachigen oder Fantasienamen. Es scheint, als würden in der Schweiz deutsche Namen absichtlich vermieden. In Berlin hat man glücklicherweise in unverkrampfteres Verhältnis zur deutschen Sprache und ihrer möglichen Eigenschaft, neue Lokalitäten zu benamsen.



So kann man sich am Heinrichplatz an der Oranienstraße (=O-Straße) in der "GerüchteKüche", im "Café Jenseits", im "Kreuzburger" und im "Kraut und Rüben" verpflegen. Das "Bateau Ivre" klingt mit der richtigen Aussprache nicht sehr deutsch, aber dafür bieten der "Bierhimmel" gegenüber oder der "Trinkteufel" um die Ecke im Getränkebereich eine Alternative.
"Knopf und Kragen" verkauft Knöpfe bevor man dafür Kopf und Kragen riskiert. "Leck mich!" kühlt Zungen mit Glacé (=Eis) an heissen Altweiber-Sommertagen.

Im Prenzlauerberg (=Prenzl'berg) kann man sich durch diverse Lokale trinken, deren Namen richtig deutsch klingen: "An einem Sonntag im August" macht man eine "Sorgenpause" im "Wohnzimmer", sagt "Ich liebe dich" und schliesslich "Zu mir oder zu dir". Und wenn das auf Ablehnung stösst, geht man einfach ins "Kauf dich glücklich". Wer dann noch immer nicht genug hat, geht in den Swinger Club "Zwanglos III".






Gefallen haben mir neben den Schuhmachernamen "Reißender Absatz" und "Schnelle Besohl Anstalt" auch Namen von schnellen Haar-Verkürzungsanstalten wie "Haarspree", "Schnittstelle" und "Haargenau". Und da fällt mir auch ein Name eines Zürcher Coiffeur-Geschäfts ein, das mit Berlin durchaus mithalten kann: "Haarchitektur".

1 Comments:

Anonymous Anonym said...

stimmt, in zürich gibt es kaum lokale mit hochdeutschen namen aber solche mit schweizerdeutschen namen gibt es mehrere. hier eine kleine auswahl: wyssä wind, dä bluetig dumä, d' flachpassbar und dä saftladä. naja vielleicht nicht so originell wie "reissender absatz" ich gebe es ja zu, aber man sollte auch nicht vergessen, dass zürich die heimliche hauptstadt der schweiz ist, das bekanntlich ein Land mit vier landessprachen ist. daher sollte es dich nicht erstaunen, dass ein lokal in zürich statt "ja und nein" halt mal auch "si e no" heissen kann. Einen "trinkteufel" wie in berlin sollte es bei uns aber meiner meinung auch geben...

9/13/2006 12:29:00 vorm.  

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