Donnerstag, Oktober 05, 2006

Back in Zurich, remembering Berlin

Nun bin ich wieder weg aus dem schönen Wrangel-Kiez in Berlin-Kreuzberg, wo heldenhafte Musiker, BILDblogger und zentral Intelligente einfach so mal neben einem die Strasse überqueren, wo Michaels von der Heide anzutreffen sind und Soup Chefs aus bestimmten TV-Serien mit ihrem Boyfriend nebenan im Stammcafé „MIR“ frühstücken.

Ich bin zurück in der Little Big City oder - wie sich das liebe Zürich neuerdings vermarktet - in Downtown Switzerland. Zurück im kleinen Land, wo ich plötzlich wieder von einer mit vielen intensiven -ch–Lauten durchsetzten Sprache umgeben bin, wo Fünfliber, Münz und Franken-Banknoten statt Euro-Geldscheinen und Kleingeld über den Ladentisch gehen, wo alte Raddampfer über einen See mitten in der Stadt fahren, wo es wieder Migros gibt, in der ich mich nach dem Einkauf mit "Ufwiderseh" verabschieden sollte und nicht mit "Tschüss" wie bei Kaiser’s in Berlin, wo man nicht sorglos irgendwo für 4 Euro inklusive Milchkaffee frühstücken geht (weil der Milchkaffee alleine schon 5 Franken kostet), wo die DB SBB und Rhätische Bahn heisst, die einen in knapp zwei Stunden aus der kleinen Grossstadt ins Herz der Alpen katapultiert. Dort habe ich mal wieder bemerkt, was es bedeutet, nicht nur immer auf flachen Strassen geradeaus zu gehen, habe den Klang von Kuhglocken wiedererkannt, den Duft des Stuhlgangs derselben Nutztiere mit Eutern und den etwas angenehmeren Duft von Bergluft und Heu mal wieder gerochen. Und als ich plötzlich von wildfremden Menschen nett gegrüsst wurde, erinnerte ich mich schlagartig wieder, dass man das ja in den Bergen so macht.

Die Rückkehr in angestammte Gefilde bedeutet auch Abschied von Erasmus, dem Schutzpatron erlebnisreicher Uni-Semester. Neuen Pflichten warten nach einem Semester lang interessante Vorlesungen, Seminare, Ausstellungen und Konferenzen besuchen, Blog-Einträge schreiben, spannende Leute treffen und Berlin-Führungen machen.

Ab und zu wird hier immer mal wieder ein Eintrag zu finden sein (Entziehungskuren sollten ja schrittweise und nicht radikal erfolgen), besonders solange noch ein paar Entwürfe darauf warten, überarbeitet oder mit Fotos bestückt zu werden, bevor sie dann endlich mal aufgeschaltet werden. Ansonsten wird wohl Züri-Berlin (nach dem Abtragen der Blog-Pendenzen) von einer gewissen sporadischen Spärlichkeit heimgesucht werden.

Gänzlich vor kultureller Prominenz ist man übrigens auch in Zürich-Wollishofen nicht geschützt. Da setzt sich gestern plötzlich Ruth Schweikert an denselben Tisch in der Roten Fabrik und erzählt der Runde, wie sie mal unverhofft mit alten Rockertypen in Wien Geburtstag gefeiert hat und erst im Laufe des Abends erfahren hat, dass die Alt-Rocker EAV-Bandmitglieder waren.

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