Samstag, November 04, 2006

Welche Wurst ist wurst

In Berlin isst man Currywurst. Am besten bei Konnopke an der Schönhauser Allee, am oberen Ende der Kastanienallee im viel beschworenen "Trendbezirk" Prenzlauer Berg. Konnopke's Imbiß an diesem lebhaften Knotenpunkt der Stadt ist auch einer der Lieblingsimbisse von Gerhard Schröder und wird gar in einem Song der Ost-Berliner Band „Silly“ mit dem Titel „Heiße Würstchen“ besungen.
Gute Currywurst isst man auch bei Curry 36 am Mehringdamm in Kreuzberg. Und natürlich gibt es tausend und einen weitere Currywurst-Stände in Berlin. In Zürich kenne ich hingegen keinen einzigen. Eine Marktlücke, denn inzwischen dürften ja einige Menschen in Zürich wohnen und essen, die eine Weile in Berlin gelebt haben, und nur schon aus Nostalgie-Gründen mal wieder eine Currywurst essen würden. Vielleicht sind aber auch allzu viele Vegis und dem Gesundheitswahn Verfallene unter den Heimgekehrten, sodass dem findigen Currywurst-Unternehmertum glatt ein Strich durch die Rechnung gemacht würde.

In Zürich isst man hingegen viel eher Kalbsbratwurst. Am besten im Vorderen Sternen am Bellevue, ebenfalls ein zentraler Verkehrsknoten. Der "Sternen" preist sich an, die grösste Wurst der Stadt zu verkaufen.

Ob "Konnopke" und der "Sternen" nun tatsächlich die besten sind, oder eher eine ideale Schnittmenge aus gut gelegen und ziemlich köstlich, bleibe dahingestellt. Auf jeden Fall scheinen Wurststände ein seltener Schmelztiegel sozialer Schichten zu sein. Es ist wurst, ob Bankerin oder Coiffeur: Alle noch übrig gebliebenen nicht-vegetarisch Ernährten treffen sich am zentral gelegenen Wurststand zur schnellen Verpflegung. Vom Junkie bis zur Cervelatprominenz, die ja auch deswegen den Namen einer weiteren in Helvetien populären Wurst trägt.

Und so endet auch schon bald dieser Blogeintrag, wie alles, was nur ein Ende hat. Nicht wie bekanntlich Würste. Obwohl auch diese nur ein Ende haben, solange man definiert, welches Ende das Ende und welches der Anfang ist. Ob nun Curry- oder Bratwurst ist einerlei. Zweierlei sind höchstens Wienerli, die bevorzugt als Paar auftreten. Um Wiener Würstchen soll es aber bei Züri-Berlin ja nun wirklich nicht gehen. Sollen die sich erst mal einig werden, ob das Original nun aus Frankfurt oder Wien stammt. Und zudem müsste es wohl noch einige Gammelfleischskandale geben, damit die Wurst dem Döner und seinen Abwandlungen den Rang 1 in der Fast Food-Hitparade wieder streitig machen könnte.

Foto Konnopke: Foto-Welten.de
Foto Sternen Grill: Sterne foifi

1 Comments:

Anonymous Anonym said...

Das mit den Frankfurtern und Wienern ist leicht erklärt. Ein Frankfurter Metzger durfte aufgrund von Restriktionen seine Wurste nicht Frankfurt verkaufen, so wanderte er in Wien ein, produzierte und verkaufte sie dort. Aus Frankfurter Sicht handelt es sich also um Wiener und aus Wiener Sicht - wahrscheinlich wegen des Immigranten - um Frankfurter.

9/24/2009 03:37:00 vorm.  

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