Freitag, Januar 12, 2007

Zürich als Bundeshauptstadt?


Mit bestem Dank an den treuen Bildlieferant Stadtwanderer.

Wer hinter der ominösen Plakatkampagne Die Schweiz wählt eine neue Hauptstadt steckt, soll gemäss persoenlich.com erst in zwei Tagen bekannt gegeben werden. Die Allgemeine Plakatgesellschaft gibt sich bedeckt, man vermutet allerdings, dass es sich dabei um versteckte Forschung zu den psychologischen Auswirkungen von Plakatwerbung handeln könnte. Ich vermute, dass man nebenbei aus Lokalpatriotismus Kapital schlagen möchte. Von TV-Formaten wie MusicStar und DSDS weiss man, wie lukrativ SMS-Votings sein können, insbesondere, wenn Emotionen angestachelt werden. Und es ist ja nicht unbekannt, dass das eingebildete Grossstädtertum – in Zürich eher das Klein-Grossstädtertum – in den übrigen Teilen des Landes verhasst ist (in der restlichen Deutschschweiz nennen sie uns Züzis). Zudem hält sich Zürich nicht selten tatsächlich für die heimliche Schweizer Hauptstadt, was wohl so einige per SMS kundtun werden.

Dass hingegen Zürich dem gemächlichen Bern seinen bewährten Status als Bundeshauptstadt ernsthaft strittig machen wird, ist etwa so unwahrscheinlich wie dass eine neue Bundesrätin widerstandslos und ohne mediales Megagetöse, den Vaterschaftsurlaub in ihrem Departement von zwei auf unglaubliche fünf Tage erhöhen könnte. Noch eher würde Berlin neue Schweizer Hauptstadt – heimliche Hauptstadt ist die Metropole gemäss Michèle Roten ohnehin schon. Und eine gewisse Flexibilität im Hauptstadtstatus hat Berlin ja ebenfalls bewiesen.

Was dem allerdings im Weg stünde, sind die zunehmenden Anfeindungen gegenüber Deutschen in der Schweiz und die grosse Zahl der dadurch vergrämten deutschen Professoren und einer Handvoll deutscher Professorinnen, die in jene Bresche springen, die durch mangelnde Förderung des akademischen Nachwuchses an Schweizer Universitäten verursacht wird:



Bevor aber Berlin seine Hauptstadtsdienste anbieten kann, während die UNO-Weltstadt Genf, die offene Stadt im Dreiländereck und die Schweizer Wirtschaftsmetropole sich in ihren konkurrierenden Haaren liegen, hätte vielleicht das überaus freundliche Bern für einmal ein etwas harscheres Wörtchen mitzureden.

2 Comments:

Anonymous Sugus said...

du hast ja recht, doch so schlimm ist es auch wieder nicht. etwas mehr toleranz und wir kämen 'noch' besser aneinander vorbei. es hat doch schliesslich noch genug platz. den sollten wir geniessen solange er noch da ist.

1/12/2007 11:15:00 nachm.  
Anonymous Michael said...

Die Werbewoche hat heute bekanntgegeben: es war tatsächlich die APG (Beitrag).
Und einmal mehr sind wir bei der IG Plakat | Raum | Gesellschaft angelangt, hat doch ein Kommentar auf dem Stadtwanderer-Blog aus aktuellem Anlass darauf verwiesen (Beitrag).
Irgendwie wird man diese Plakatwerbung einfach nicht los...

1/15/2007 11:57:00 nachm.  

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