Dienstag, November 28, 2006

Creative Commons-Happy End



Über die ungefragte Verwendung meiner Berliner Sprachwirren durch die neue Zürcher Abendzeitung heute hatte ich bereits berichtet. Besonders gestört hatte mich die Tatsache, dass eine Zeitung, die aus einem Mix aus Billig-Content und Werbung Profite macht, sich einfach so über eine nicht-kommerzielle Creative Commons-Lizenz hinwegsetzt.
Creative Commons ist eine von US-Rechtsprofessor Lawrence Lessig (der mit seinem Vornamen für Rechtsfälle ja prädestiniert ist) vorgeschlagene Erweiterung des Urheberrechts. Creative Commons gibt besonders im Internet und in der Musikindustrie zurzeit viel zu reden und zu tippen - zum Beispiel im Creative Commons Salon in Berlin und in der Zürcher Digitalen Allmend. Ein schönes Video erklärt, warum CC-Lizenzen Sinn machen (allerdings in englischer Sprache) und avantgardistisch ist auch eine auf CC spezialisierte Suchmaschine für Fotos, Musik und weitere kreative Produkte.

Vor ein paar Tagen fand nun meine persönliche Geschichte mit einer nicht-kommerziellen Creative Commons-Lizenz für Züri-Berlin endlich ein Happy End. Und zwar mit folgender Nachricht des verantwortlichen heute-Redaktors Thomas Benkö, mit dem ich seit Anfang September einen E-Mail-Streit führte. Er sollte quasi als Strafgeld für die Missachtung der Lizenz ein nachträgliches Zeilenhonorar direkt an Creative Commons.org spenden:
sodeli, 50 franken an die cc:

Zahlungsdetails
Transaktionscode: 9HX274675U6812039
Artikelpreis: 32,00 EUR
Betrag: €32,00 EUR
Artikelbezeichnung: Creative Commons Donation
Käufer: THOMAS BENKOE

ich hoffe, nun sind alle zufrieden

Ja, danke, wir sind nun endlich zufrieden. Besten Dank auch für die sehr freundliche Unterstützung von Christian Laux von Open Law, und Roland Alton Scheidl von der OSalliance, der mit seinem Team auch das tolle Projekt Registered Commons ins Leben gerufen hat. Sehr hilfreich war übrigens auch die Berichterstattung von Netzpolitik - ohnehin die Referenz für internetpolitische Fragen - über einen ähnlichen Fall mit Flickr-Fotos in Holland.
Auf einen interessanten Aspekt der nicht-kommerziellen Lizenz wies mich übrigens Roland Alton Scheidl hin:

Ich rate ja eher dazu, NC (=non commercial CC licence) nur zu verwenden, wenn eine entsprechende Verwertung auch absehbar ist. Denn die Grenzen zwischen kommerziell und nicht-kommerziell sind unscharf (eher noch wäre for/non-profit angebracht) und wenn man NC lizensiert, beraubt man sich selbst der Möglichkeit, dass das Werk (und der Name) weitergereicht wird.

Einleuchtend. Allerdings steht ja in der Lizenz auch: Jede dieser Bedingungen kann nach schriftlicher Einwilligung des Rechtsinhabers aufgehoben werden.

Nachtrag:
Netzpolitik war - wie immer - ganz schnell mit einem Eintrag hierzu und auch Roland Alton Scheidl möchte die Geschichte in Englisch in der Creative Commons Community veröffentlichen.
"heute" besitzt übrigens - wie inzwischen jede ernst zu nehmende Boulevard-Zeitung wie BILD das BILDblog und 20 Minuten das Pendlerblog - ein persönlich gewidmetes Watchblog. Frank Schrillmacher ist ein alias des jungen unermüdlichen Internet-Literaten und der multiplen Blog-Persönlichkeit David Berger aus Olten, der neben unzähligen anderen Verwertungen auch ein "heute"-Satiremagazin betreibt.

4 Comments:

Anonymous Anonym said...

Sehr gut!

Und hier gibt es auch einige Videos zu CC.

Gruss aus Luzern

Roger

11/28/2006 08:29:00 nachm.  
Anonymous blogosphere said...

gratuliere zum erfolg. eine kritische nebenbemerkung zum blog und zu law-rence. was mir erst kürzlich von einem gestandenen journalisten nahegelegt wurde bezüglich wortspielen mit dem namen (eva herr-mann):

wortspiele mit dem namen sind absolut tabu. sie zeugen von schlechtem stil.

recht hat er, eigentlich, musste ich beschämt zugestehen.

11/29/2006 12:33:00 nachm.  
Anonymous Schirrmacher said...

Dann dürfte besagter Frank Schrillmacher auch seinen Namen ändern, denn seine Anspielung auf FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher ist mehr als billig.

12/04/2006 05:14:00 nachm.  
Anonymous Laura said...

Sehr interessanter Post.
Ich hab mich aufgrund eines Beitrags für unsere Schülerzeitung mit den Creative Commons, vorallem in Zusammenhang mit dem Musikbusiness halt, auseinandergesetzt, d.h. v.a. Netlabels wie restorm.com - bin jetzt aber mittlerweile allgemeiner dran am Thema und gerade verschiedene Blogs am durchscannen nach Vorfällen dieser Art.
Auf jeden Fall - schöner Blog allgemein!
Gruss,
Laura

1/07/2009 04:10:00 nachm.  

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